Kinderarbeit, Pestizide, Ausbeutung – die konventionelle Textilindustrie stellt nicht gerade saubere Kleidung her. Was kann ich tun, wenn ich das nicht unterstützen möchte? Hier findest du sechs Tipps für einen nachhaltigeren Konsum – ob Nutzung oder Kauf -, die gleichzeitig deinen Geldbeutel schonen.

Bevor es richtig losgeht, möchtest du nochmal nachlesen, was genau eigentlich an den klassischen Marken problematisch ist? Dann schau dir hier den Artikel “Der hohe Preis der Billigkleidung” an. Danach geht es hier weiter:

Tipp 1: Kleidung länger nutzen

Hand aufs Herz: Wie viele Kleidungsstücke liegen in deinem Schrank, die du eigentlich nie trägst? Das Shirt, das ganz hinten im Eck liegt; der Rock, zu dem irgendwie nichts passt?

Laut einer Greenpeace-Studie wird jedes fünfte Kleidungsstück in unserem Schrank nie getragen. Das summiert sich auf etwa eine Milliarde Textilien, die gänzlich ungenutzt in den deutschen Haushalten liegen und nur darauf warten, irgendwann einmal entsorgt zu werden. Noch einmal so viele Kleidungsstücke werden “selten”, also maximal 4 Mal im Jahr, genutzt. Darunter fallen bestimmt ein paar Outfits für Hochzeiten oder Bewerbungsgespräche – aber eben auch eine Menge Fehlkäufe.

Das ist natürlich aus ökologischer Sicht wenig sinnvoll, weil all diese Dinge unter großem Aufwand und unter dem Einsatz vieler Ressourcen hergestellt wurden. 
Aber eigentlich schaden wir uns damit auch selbst: Wir haben Geld dafür ausgegeben, das anderweitig besser investiert gewesen wäre, und nun blockieren diese Dinge den Kleiderschrank und verstecken die T-Shirts, in denen wir uns wirklich wohl fühlen. Und irgendwann müssen wir sie auch noch entsorgen – also nochmal Zeit und Energie darauf verwenden, sie auszusortieren und zum Altkleidercontainer zu bringen oder bei Kleiderkreisel einzustellen.

Nicht nur für die Umwelt, auch für unsere eigenes Seelenheil wäre es also viel besser, den nächsten Kauf kritischer zu hinterfragen: Wie gut gefällt mir dieses Teil wirklich an mir? Habe ich schon einmal so etwas Ähnliches im Schrank? Habe ich genug Kleidung, mit der ich es kombinieren kann?
Ein guter Indikator, ob man etwas kaufen sollte oder nicht, ist der Moment im Laden, in dem man sich genau diese Frage stellt: Ja oder Nein? Wenn ich tatsächlich zögere und überlegen muss, dann ist es höchstwahrscheinlich nicht das richtige. Lieblingsstücke erkennt man meist sofort.

Tipp 2: Kleidung kälter waschen

Die Herstellung von Kleidung verbraucht viel Energie und somit CO2 – das ist bekannt. Allerdings ist das nicht unbedingt der klimaschädlichste Abschnitt im Lebenszyklus eines T-Shirts. Tatsächlich verursacht die Nutzung – also das regelmäßige Waschen – ähnlich viel CO2 wie die Produktion. 

Wie hoch die Umweltbelastung tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab: Wie oft wird das T-Shirt gewaschen? Bei welcher Temperatur? Und wird es im Anschluss in den Trockner gesteckt?

Tatsächlich kann es den Energieaufwand schon um bis zu 35 Prozent reduzieren, wenn Kleidung konsequent bei 30 statt bei 40 Grad gewaschen wird.

Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern spart somit eine Menge Geld. (Noch ökologischer wird es natürlich, wenn der verwendete Strom Ökostrom ist. Mehr dazu im Artikel “Umsteigen auf Ökostrom: Wenig Aufwand, große Wirkung”).

Mit kühleren Temperaturen zu waschen hat außerdem noch einen zweiten, sehr positiven Effekt: Es senkt das Risiko, die Fasern in der Kleidung zu brechen. Das erhöht nicht nur die Lebensdauer unserer Lieblingsstücke, sondern verringert auch den Anteil an Mikroplastik, der durch das Waschen im Wasser (und schließlich im Meer) landet.

Je nach Programmeinstellung und Temperatur können pro Waschgang bis zu 6 Millionen Mikrofasern freigesetzt werden – die sich über das Abwasser ins Meer, in unser Essen und überhaupt überall auf der Erde verteilen (z.B. auf den Rocky Mountains, wie die tagesschau berichtete). Das lässt sich deutlich reduzieren, wenn wir erstens darauf achten, nur das zu waschen, was auch tatsächlich gewaschen werden muss – oft reicht nämlich auch Auslüften schon aus. Und zweitens eben: Die Waschmaschine auf niedrigere Temperaturen einstellen.

Übrigens: Der Schonwaschgang der Waschmaschine soll die Wäsche schonen – nicht die Umwelt. Tatsächlich ist das die Einstellung, die mit Abstand am meisten Mikroplastik aus der Kleidung löst. Viel besser sind Öko-Einstellungen, die zwar länger brauchen, aber kühler waschen.

Wer beim Waschen noch mehr tun möchte, kann sich auch Guppyfriend* zulegen. Dieser Wäschebeutel sorgt dafür, dass das Mikroplastik nicht ausgespült wird. Die (Plastik-)Fasern, Haare und Fussel, die normalerweise anfallen und nur teilweise vom Flusensieb der Maschine aufgefangen werden, bleiben einfach im Beutel und können daraus leicht entfernt werden.
(Guppyfriend gibt es zum Beispiel bei waschbaer.de* zu kaufen. Momentan erhält man sogar 10 Euro Rabatt, wenn man sich für den Newsletter anmeldet!)

Tipp 3: Kleidung häufiger reparieren

Klar, mit Löchern im Shirt will niemand herumlaufen. Aber statt das “kaputte” Kleidungsstück zu entsorgen, könnte man auch einfach zu Nadel und Faden greifen.
Laut der Greenpeace-Nutzungsstudie hat immerhin die Hälfte der Befragten ihre Kleidung schon mal selbst repariert oder zur Schneiderei / Schusterei gebracht. Das ist oft sehr günstig, geht schnell – und stellt sicher, dass man das Lieblingsteil noch eine ganze Weile tragen kann.

Wer gern selbst mal Hand anlegen möchte, aber nicht weiß wie, kann sich im Internet inspirieren lassen. Youtube bietet viele Anleitungen, wie man auch ohne Nähmaschine kleine Löcher wieder stopfen kann – etwa wie hier vom Kanal Dots Designs. Das dauert nur wenige Minuten und schon ist das Shirt wieder einsatzbereit!

Tipp 4: Kleidung tauschen


Mehr Abwechslung im Kleiderschrank, zu jedem Anlass ein neues Outfit oder mal ausprobieren, ob dieser Style zu mir passt – und das alles, ohne Geld zu zahlen? Kein Problem! Kleidung kann man wunderbar tauschen und ausleihen – man braucht nur Freunde oder Familienmitglieder mit der gleichen Kleidergröße 🙂

Hast du nicht? Eine prima Alternative ist eine Kleidertauschparty, zu der jede/r seine ungeliebten Stücke mitbringen und gegen neue Teile (dauerhaft) austauschen kann.
Manchmal werden solche Partys von Studierenden oder Weltläden im großen Rahmen organisiert, aber man kann auch einfach selbst Freunde einladen und zu Hause in entspannter Runde tauschen. Das lässt sich prima mit einer Flasche Sekt und Saft, neuen Leuten und entspannter Musik verbinden – und man hat somit einen Termin, zu dem man seinen Klamottenvorrat mal wieder durchschauen und aussortieren sollte.

Tipp 5: Kleidung gebraucht kaufen

Alternativ gibt es auch eine Menge Möglichkeiten, Kleidung gebraucht zu kaufen. Die Vorteile sind klar: Diese Sachen sind bereits produziert, d.h. es werden keine neuen Ressourcen für ihre Herstellung benötigt, und natürlich: Deutlich günstiger ist das auch.

Neben den klassischen Second-Hand-Läden, die in ihrer Qualität sehr unterschiedlich sein können, gibt es auch noch einige weitere Möglichkeiten – allen voran kleiderkreisel.de. Das Schöne an dieser (Ver-)Kaufsplattform ist die große Auswahl. Ganz egal, welche Vorstellungen man von Marke, Preis oder Zustand hat, man wird sicherlich fündig werden. Wer kauft, kann entweder über das System bezahlen – dann ist man abgesichert und bekommt im Zweifelsfall das Geld erstattet – oder auch direkt mit den Verkaufenden sprechen.

Und gebrauchte Kleidung hat noch einen Vorteil: Die Schadstoffe sind raus!
Denn in jedem Shirt, jeder Jeans, jedem Rock werden eine Vielzahl von Chemikalien eingesetzt, die z.B. für Farbe, Knitterfreiheit und das Nicht-Einlaufen-beim-Waschen zuständig sind. Einige dieser Stoffe können für uns Menschen bedenklich sein: Sie stehen beispielsweise im Verdacht, krebserregend zu sein. Durch Schweiß oder Wasser lösen sich die Chemikalien und werden von der Haut, unserem größten Organ, aufgenommen.

Wenn wir neue Kleidung waschen, lösen sich diese Schadstoffe nach und nach und werden ins Abwasser abgegeben. Nach ein paar Mal waschen – einmal reicht leider nicht – ist das Shirt frei davon; stattdessen befinden sich die Chemikalien in unserem Wasser und unserer Umwelt.

Der sehr viel größere Teil davon landet gar nicht in Deutschlands Flüssen, sondern bleibt in Asien, wo die Kleidungsstücke produziert werden. In China gelten zwei Drittel der Flüsse und Seen als verschmutzt; ein Drittel sogar so stark, dass es für die menschliche Nutzung nicht mehr geeignet ist.

Greenpeace hat daher schon 2011 die Detox-Kampagne gestartet, um die großen Modekonzerne dazu aufzufordern, ihre Produktionskette zu entgiften.

Denn tatsächlich ist das nicht nur ein Problem der „Billigläden“ und Discounter, sondern betrifft genauso teure Marken und Outdoor-Hersteller. Tatsächlich gab es seitdem Verbesserungen – aber der Weg zu einer schadstofffreien Textilindustrie ist noch weit.

Tipp 6: Faire Kleidung kaufen

Zum Glück gibt es inzwischen eine Vielzahl an Marken, die faire und nachhaltige Kleidung herstellen – und die nicht unbedingt nach dem Klischee aussehen, an das manche vielleicht noch denken. Fair geht absolut modisch!

Nur: Woran erkennt man sie? Es gibt inzwischen viele Siegel, die bestimmte Vorgaben garantieren; und leider auch eine Menge selbstgebastelter Logos, die von den Firmen selbst vergeben werden und praktisch nichts aussagen, de facto also Greenwashing betreiben. Hier einen Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach; es ist aber ein sehr guter Anfang, nach diesen beiden Siegeln Ausschau zu halten:

Das Fair-Trade-Siegel

Das Fair-Trade-Siegel ist wohl das bekannteste überhaupt; man findet es auf einer Vielzahl von Lebensmitteln wie Kaffee, Schokolade und Bananen.

Bei Kleidung wird meist das Fair-Trade-Cotton-Siegel verwendet, das sich auf die Baumwolle bezieht. Es hat umfangreiche Vorteile für die Kooperationspartner: Der Verkaufspreis für die Baumwolle ist auf jeden Fall kostendeckend und fair, und eine zusätzliche Prämie für die Gemeinschaft unterstützt bspw. den Bau von Schulen und anderen Projekten. Eine Reihe weitreichender sozialer Kriterien verbietet etwa Diskriminierung und Kinderarbeit, und stärkt gleichzeitig Gewerkschaften.
Das Fair-Trade-Siegel beinhaltet auch ökologische Vorgaben (etwa das Verbot gefährlicher Pestizide) und fördert die Umstellung auf eine biologische Anbauweise; dennoch ist es in erster Linie ein Sozialsiegel.

Da sich das Fair-Trade-Siegel bislang meist auf den Rohstoff – die Baumwolle – bezog, wird seit 2016 auch am Fair-Trade-Textilstandard gearbeitet: Ein Siegel, das die gesamte Lieferkette miteinbezieht und die Rechte der ArbeiterInnen stärkt.

Mehr Infos dazu gibt es in dieser kurzen Animation:

Das GOTS-Siegel

GOTS steht für Global Organic Textile Standard; es ist in erster Linie ein Umweltsiegel, das jedoch auch eine ganze Reihe wichtiger Sozialkriterien beinhaltet. Damit ein Kleidungsstück das GOTS-Siegel tragen kann, müssen alle Vorgaben auf der gesamten Lieferkette eingehalten werden und das Material muss zu mindestens 70 Prozent aus biologischen Naturfasern bestehen; ein T-Shirt aus synthetischen Stoffen kann also per se kein GOTS-Siegel erhalten.

Die sozialen Vorgaben garantieren die Einhaltung der sogenannten Kernarbeitsnormen der International Labour Organisation (ILO), d.h. Kinderarbeit, überlange Arbeitszeiten, Zwangsarbeit usw. sind ausgeschlossen. Die MitarbeiterInnen erhalten den jeweiligen Mindestlohn des Landes.

Am besten beide!

Beide Siegel haben unterschiedliche Herangehensweisen und ihre Schwächen. Man könnte vielleicht sagen: Das Fair-Trade-Siegel is ein Sozialsiegel mit Umweltkriterien, das GOTS-Siegel ein Umweltsiegel mit Sozialkritieren. Ideal ist es natürlich, wenn beide Hand in Hand gehen.
(Nicht verschwiegen werden soll hier natürlich, dass es noch einige weitere sehr gute Siegel gibt, wie IVN Best oder Fair Wear Foundation – sie kommen nur nicht ganz so häufig vor.)

Wo kaufen?

Es gibt immer mehr Geschäfte, die teilweise oder sogar ausschließlich fair gehandelte Produkte verkaufen. Gerade das GOTS-Siegel sieht man immer mehr häufiger auch in klassischen Läden – da es Schadstofffreiheit garantiert, findet man es z.B. oft auf Babykleidung.
Noch besser ist es natürlich, man unterstützt Marken und Geschäfte, die komplett auf den fairen Handel setzen. Dazu zählt beispielsweise glore (kurz für globally responsable fashion), eine kleine Kette, die es inzwischen in sechs deutschen Städten gibt, dazu zwei Mal in der Schweiz. Die Auswahl ist top, der Stil reicht von sportlich zu chic – klare Empfehlung, mal vorbeizuschauen!

Wer vor Ort nichts findet, kann online stöbern: Die größte Plattform für nachhaltige Mode ist zweifelsohne  avocadostore*. Hier kannst du nicht nur nach Größe oder Preis filtern, sondern auch nach den Kriterien, die dir am meisten am Herzen liegen: Fair & Sozial, CO2-sparend, made in Germany, recycelt, vegan … Die Auswahl an Produkten ist riesig, und für Studierende gibt es sogar 10 Prozent Rabatt*. Die Plattform ist sicherlich die erste Anlaufstelle, wenn es um faire Kleidung geht!

Fazit

Nachhaltig Kleidung konsumieren ist einfach, macht Spaß und ist oft sogar günstiger! Hier nochmal ein Überblick, wie du deine Kleidung nachhaltig konsumieren kannst – zum Vorteil für dich und die Umwelt:

  • länger nutzen – Lieblingskleidung kaufen statt Fast Fashion
  • kälter waschen – Energie sparen & Plastik vermeiden
  • häufiger reparieren – Kleidung wertschätzen
  • tauschen – Tauschpartys mit den besten Freunden veranstalten
  • gebraucht kaufen – on- oder offline
  • fair kaufen – z.B. bei avocadostore.de*
Quellen für diesen Beitrag